Mehr Tempo für Güter.

Der von der Schweiz geplante «Ausbauschritt 2035» beim Schienenverkehr zielt auch auf den Güterverkehr: Dieser soll schneller werden und zudem vom Personenverkehr weniger Einschränkungen erfahren.

Der Bau und die Finanzierung der Bahninfrastruktur obliegen in der Schweiz der Eidgenossenschaft – nicht einzelnen Bahngesellschaften. Im Rahmen des «Strategischen Entwicklungsprogramms Bahninfrastruktur» schlägt der Bundesrat dem Parlament den «Ausbauschritt 2035» vor. Dieser sieht Investitionen im Umfang von rund 12 Milliarden Franken vor. 

Dank dem Ausbauschritt 2035 profitiert der Schienengüterverkehr von primär drei Massnahmen: 

  • Reduktion der Einschränkungen morgens und abends durch den Personenverkehr 
  • Erhöhung der Transportgeschwindigkeit 
  • Ausbau der Kapazität einzelner Abschnitte 

Verbesserungen beim Rollmaterial hingegen gehören in die Verantwortung der einzelnen Bahnunternehmen und sind nicht Teil des Ausbauschritts 2035. 

Verkehrsprognosen: starke Zunahme
Von 1980 bis 2010 hat der Güterverkehr auf der Schiene – gemessen in Tonnenkilometern – um 42 Prozent zugenommen. Für die Zeit von 2010 bis 2040 wird eine weitere Zunahme um 45 Prozent erwartet. Dies hat das Bundesamt für Raumentwicklung berechnet; es schreibt dabei die Entwicklungen der Vergangenheit (Wachstum von Bevölkerung und Wirtschaft) fort. 

Schnellere Verbindungen für den Güterverkehr
Beim Personenverkehr geht es vordringlich darum, die Überlast auf einzelnen Strecken zu entschärfen; eine Verkürzung der Reisezeit steht nicht im Vordergrund. Beim Güterverkehr ist das anders: Er soll schweizweit schneller werden. Insbesondere sind auf der West-Ost-Achse – zwischen Genf und Gossau SG – schnelle Verbindungen vorgesehen. Im Kernbereich – zwischen Zürich und Lausanne – ist ein Halbstundentakt für Expressverkehr vorgesehen. Des Weiteren wird der Güterverkehr auch in den Hauptverkehrszeiten des Personenverkehrs – insbesondere im Raum Zürich – weit weniger eingeschränkt als bisher.  

Auf der West-Ost-Achse bildet SBB Cargo das Rückgrat des Binnengüterverkehrs, da Grosskunden mit ihren Verteilzentren in diesem Wirtschaftsraum angesiedelt sind. Dementsprechend baut SBB Cargo das Angebot für ihre Kunden im Systemwagenladungsverkehr und im kombinierten Verkehr aus. 

Unterschiedliche Trassen für den Güterverkehr 
Im Rahmen des Ausbauschritts 2035 werden auf der West-Ost-Achse zwei Express-Trassen eingerichtet. Dies wird vor allem durch betriebliche Massnahmen erreicht. Bauliche Massnahmen wie Überholgleise braucht es nur wenige. Neben dem oben erwähnten Halbstundentakt zwischen Zürich und Lausanne gibt es einen Stundentakt zwischen Genf und Lausanne sowie zwischen Zürich und Gossau SG. 

Die Express-Trassen werden von Express-Güterzügen befahren. Diese können aufgrund ihrer Maximalgeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde mit den schnelleren Personenzugskategorien mithalten. Gemäss Ausbauschritt 2035 ist – entsprechend ihrer Geschwindigkeit – die nachstehende Abfolge von Personen- und Güterzügen vorgesehen: 

  1. InterCity 
  2. InterRegio 
  3. Express-Güterzüge 
  4. RegioExpress  
  5. Standard-Güterzüge  
  6. S-Bahn (wegen vieler Halte am langsamsten) 

Dank dieser Zugfolge ergibt sich eine Harmonisierung der Züge: zuerst die schnelleren, dann die langsameren. Damit kommen sich die Express-Güterzüge und die schnellen Personenzüge nicht in die Quere. Es gibt also weniger Überholmanöver durch Personenzüge und weniger Wartezeiten für Güterzüge. Damit erhöht sich die Kapazität einer Strecke deutlich. 

Potenzial der Automatisierung ausschöpfen 
Um die bestehende Infrastruktur effizienter zu nutzen, setzt die SBB auf mehr Automatisierung. So werden im Rahmen des Ausbauschritts 2035 die Signale dichter gestellt, damit mehr Zugabschnitte entstehen. Da pro Abschnitt aus Sicherheitsgründen immer nur ein einziger Zug unterwegs sein darf, führen mehr Abschnitte zu mehr Zügen, die hintereinanderfahren. Dies erhöht die Kapazität.  

Fahrzeit verkürzen 
Aufgrund des Ausbauschritts 2035 wird sich die Fahrzeit der Güterzüge um durchschnittlich zehn bis zwanzig Prozent verkürzen. In der Karte sind Beispiele für einige Strecken aufgeführt.

«Schneller, aber trotzdem bezahlbar» 

Fragen an Philipp Buhl, Leiter Netzentwicklung Güterverkehr bei SBB Infrastruktur:

Welches ist für den Güterverkehr das Ziel des Ausbauschritts 2035? 
Der Schienengüterverkehr muss schneller werden. Nur so kann er gegenüber der Strasse konkurrenzfähig bleiben. 

Wie soll das erreicht werden? 
In erster Linie gehen wir die ­betriebliche Seite an, das heisst, wir verbessern die Fahrpläne. Erst in zweiter Linie und nur wo nötig bauen wir die Infrastruktur aus. Da Infrastrukturbauten teuer sind, wird der Güterverkehr dank diesem Vorgehen bezahlbar bleiben. 

Wie wird sichergestellt, dass sich Personen- und Güterverkehr nicht gegenseitig behindern?
Die Express-Güterzüge werden mit den schnellen Personenzügen mithalten können. Damit reduzieren wir die Anzahl Überholmanöver. Dies wirkt beschleunigend und erhöht die Kapazität einer Strecke. 

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