Täglich auf Achse.

Für die Landesversorgung ist SBB Cargo täglich unterwegs – sei es im Auftrag der Lebensmittelindustrie, von Grossverteilern oder von Altstoffverarbeitern. Drei Beispiele zeigen dies exemplarisch auf: Kaffee, Tomaten und Metallschrott.

Grösser könnte der Kontrast nicht sein: Auf der einen Seite die sattgrünen Blätter und die schneeweissen Blüten der Kaffeepflanzen in den Plantagen Kolumbiens, Indiens, Indonesiens oder Kenias – auf der anderen das dunkle Mokkabraun einer Tasse Kaffee. Von der Pflanze zum fertigen Getränk ändert der Kaffee nicht nur seine Form, sondern legt auch geografisch einen weiten Weg zurück. Dies zeigt sich am Beispiel von Nespresso. «Wir beziehen unseren Rohkaffee aus zwölf Ländern. Dies ist entscheidend für unsere grosse Auswahl an Kaffeesorten und die spezifischen Aroma- und Geschmacksprofile, die wir anbieten», hält Dominique Niederhauser, Coffee Ambassador von Nespresso, fest.

Per Lastwagen, Schiff und Bahn

Je nach Herkunftsort begeben sich die grünen Kaffeebohnen bei ihrem Weg in die Schweiz auf eine über zehntausend Kilometer lange Reise. Mit Lastwagen und Schiffen sind sie unterwegs, bis sie in Antwerpen auf das europäische Festland treffen. Von dort aus geht die Fahrt per Container-Shuttlezug weiter nach Basel. Ab der Landesgrenze übernimmt SBB Cargo den Transport: Die 20-Fuss-Überseecontainer werden im Containerterminal vom Shuttlezug auf flache, vierachsige Tragwagen umgeladen, die speziell für Grosscontainer und Wechselbehälter geeignet sind. Im Rangierbahnhof Basel werden die Wagen mit den Kaffeebohnen in den entsprechenden Zug eingegliedert, der die Fracht im Einzelwagenladungsverkehr in die Westschweiz bringt.

«Um den grünen Kaffee vom Hafen zu den Produktionszentren in Orbe, Avenches und Romont zu transportieren, nutzen wir ausschliesslich die Bahn. Das ist einer unserer Beiträge zum Umweltschutz», betont Dominique Niederhauser. Andreas Ellenberger, Key Account Manager bei SBB Cargo, sagt dazu: «Das grosse Investment in Anschlussgleise an allen drei Nespresso-Unternehmensstandorten in der Schweiz ist nicht selbstverständlich.»

Nach dem Abladen der grünen Kaffeebohnen mithilfe eines Containerstaplers werden die leeren Container wieder auf die Bahnwagen verladen und zurück nach Basel gefahren. Die Veredelung des Kaffees findet in Orbe, Avenches und Romont statt: Dort werden die Kaffeebohnen geröstet, gemahlen, gemischt und in Kapseln abgefüllt.

Auf den Schienenverkehr und die Zusammenarbeit mit SBB Cargo setzt Nespresso auch für den Transport zwischen den Standorten Orbe und Avenches. Täglich verlässt ein Zug mit mehreren Hundert Paletten Kaffeekapseln die Produktionsstätte in Orbe und fährt nach Avenches, wo Nespresso über ein Hochregallager verfügt. Von dort aus versorgt Nespresso die Konsumenten des Schweizer Markts per Lastwagen und wickelt einen Teil des Exports auf der Schiene ab. Auch Romont verlassen die fertigen Kaffeekapseln grösstenteils mit der Bahn – wiederum in 20-Fuss-Containern –, um ins Ausland exportiert und irgendwo auf der Welt von einem Kaffeeliebhaber gekauft zu werden.

Die Reise geht weiter – zum Recycling

Hier könnte die Geschichte des Kaffees zu Ende sein – doch sie ist noch nicht ganz fertig. Ein spannender Aspekt des ganzen Ablaufs beginnt sogar erst jetzt. Nach Gebrauch bleiben die Kapseln mit dem Kaffeesatz zurück. Laut Nespresso bringen ungefähr 50 Prozent der Kunden die gebrauchten Kapseln zu den Sammelstellen. «Das ist eine gute Rücklaufquote, doch wir arbeiten mit Partnern daran, sie noch zu erhöhen», sagt Fridolin Landolt, Market Operations Manager von Nespresso. Ab 2020 will Nespresso ausschliesslich nachhaltiges Aluminium – in Einklang mit der neuen Norm der Aluminium Stewardship Initiative – beschaffen.

Was geschieht mit den gebrauchten Kapseln? Per Lastwagen gelangen sie von den 2700 lokalen Sammelstellen in der ganzen Schweiz zum Aufbereitungszentrum der Barec-Gruppe im waadtländischen Moudon. Dort werden das Aluminium und der Kaffeesatz in mehreren Prozessschritten voneinander getrennt. Das Aluminium wird in einer Spezialanlage geschreddert und eingeschmolzen. Daraus entstehen zum Teil neue Kaffeekapseln, oder das Aluminium erhält ein zweites Leben als Fahrradrahmen, Lampe oder Taschenmesser. Um 25 Jahre Recycling zu feiern, hatte Nespresso 2016 eine limitierte Serie ikonischer und typisch schweizerischer Aluminiumobjekte wie Taschenmesser oder Sparschäler auf den Markt gebracht – für alle wurde Aluminium aus rezyklierten Kaffeekapseln verwendet.

Biogas aus Kaffeesatz

Auch der Kaffeesatz erhält eine neue Aufgabe, denn er verfügt über ein bedeutendes Energiepotenzial. Das Pulver wird deshalb per Lastwagen von Moudon zu einer Biogasanlage in Henniez geschickt – ein zehnminütiger Weg. Durch die Vergärung des Kaffeesatzes und beigemischter Gülle entsteht Biogas, mit dem Wärme erzeugt wird. Diese Energie setzt Nestlé einerseits in der eigenen Abfüllanlage in Henniez ein. Anderseits wird daraus Strom erzeugt und ins öffentliche Netz eingespeist.

Nicht zuletzt ist der vergorene Kaffeesatz ein hervorragender Bodenverbesserer, der auf den umliegenden Feldern in der Region als Düngemittel wertvolle Nährstoffe liefert, der Bodenerosion vorbeugt und die Bildung von Humus sowie die Wasserspeicherung des Bodens fördert. Zwar wachsen auf dieser Erde keine neuen Kaffeepflanzen, weil es dafür in der Schweiz schlicht zu kalt ist. Aber sie bietet einen guten Nährboden für schweizerische Landwirtschaftserzeugnisse wie Kartoffeln oder Mais – Produkte, die einst ebenfalls als exotische Nahrungsmittel aus der Neuen Welt nach Europa kamen und eine lange Reise hinter sich hatten.

Kaffee

Die Transportmengen von Kaffee sind erheblich: Im Jahr 2016 importierte die Schweiz 139 238 Tonnen Rohkaffee. Davon verbrauchte sie 72 500 Tonnen (52 %) selbst. Der Rest ging als verarbeiteter Kaffee in den Export. Bei den Transporten ist auch SBB Cargo mit von der Partie.

Tomaten

Der Pro-Kopf-Konsum von Tomaten beträgt in der Schweiz pro Jahr knapp 7 Kilogramm. Damit sind Tomaten – nach Karotten – das zweitbeliebteste Gemüse. Etwas mehr als die Hälfte davon ist Schweizer Gemüse, der Rest ist importiert. Der Transport der Tomaten erfolgt teilweise auch durch SBB Cargo.

Metallschrott

Schrott eignet sich hervorragend zum Recycling. SBB Cargo und der Schredderbetrieb Thévenaz-Leduc SA arbeiten an einem neuen Transport zur Stahl Gerlafingen AG. Statt täglicher Transporte mit je zwei bis drei Bahnwagen werden künftig mittwochs und donnerstags je neun Wagen nach Gerlafingen geliefert. Diese treffen einen Tag später im Stahlwerk ein. So erhält Stahl Gerlafingen auch am Wochenende genug Nachschub für die Produktion, die rund um die Uhr läuft.

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