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Über alle Grenzen mit Schweizer Qualität.

Für den internationalen Kombi-Operateur IFB sind seit Jahresbeginn siebzig Güterzüge pro Woche von den belgischen Nordseehäfen nach Norditalien mit SBB Cargo unterwegs. Wie bei einem Schweizer Uhrwerk zählen Präzision und Pünktlichkeit.

Hat im Albert-II-Dock des belgischen Hafens Zeebrügge ein Ozeanriese aus Übersee festgemacht, beginnt die Maschinerie auf Hochtouren zu laufen. Die Containerbrücken und Krane bringen sich an den Kais in Position. Sie entladen die bis zu 300 Meter langen Schiffe in Rekordtempo. An die 13 000 Blechkisten, gefüllt mit Textilien aus China oder Möbeln aus Brasilien, müssen für den Weitertransport bereitgestellt werden.

Bis 2011 sollten hier über fünf Millionen Standard-20-Fuss-Container umgeschlagen werden, dreimal so viel wie 2007. Doch geplant wurde vor der Wirtschaftskrise. Statt um 20 Prozent zu wachsen, dürften die Frachtmengen in diesem Jahr um bis zu 10 Prozent schrumpfen, schätzen Branchenkenner. «Wir hoffen, dass wir die Gesamtverluste dank unserem multimodalen Angebot beschränken können, wollen uns aber dieses Jahr nicht auf eine Zahl festlegen», sagt Geert Pauwels, Koordinator der Fracht-Division bei der belgischen Eisenbahn SNCB, die einen Grossteil der Container in Zeebrügge zum Weitertransport übernimmt.

Alles für die Kunden.
Während das Geschäft mit dem Transport von Autos – Zeebrügge ist der weltweit wichtigste Hafen für die Abfertigung von Neuwagen – und der Beförderung von Stahl in den letzten Monaten zum Teil um die Hälfte eingebrochen ist, blieb der Containerumschlag in dem belgischen Hafen bisher weitgehend verschont.

Für die Abwicklung des intermodalen Verkehrs aus den Nordseehäfen ist bei der SNCB deren hundertprozentige Tochter Inter Ferry Boats (IFB) zuständig, die eigene Umschlagterminals an verschiedenen Standorten betreibt. «Wir strukturieren im Augenblick unser Unternehmen sehr stark um, damit wir besser auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingehen können», sagt der SNCB Koordinator. Das Unternehmen führt eigene Tochterfirmen: Xpedys für den Eisen- und Stahltransport und Rail Force für die Beförderung von Autos und Chemieprodukten. Für den Containerverkehr ist IFB selber zuständig. Dazu zählen neben der organisatorischen Abwicklung des kombinierten Schienen-Strassen-Transports auch die kaufmännische Seite und das Marketing. Mit einem eigenen Tracking-&-Tracing-System kann das 1965 gegründete Unternehmen seinen Kunden jederzeit Auskunft über den aktuellen Standort ihrer Güter geben.

Mit der Investition in neue Services, der verstärkten Automatisierung und einer Qualitätsoffensive reagiert der Multimodaltransporteur auf den wirtschaftlichen Abschwung. Pauwels: «Wir wollen vor allem die internationalen Verkehre ausbauen und setzen dabei auch in einem sich verschärfenden Wettbewerb auf gewachsene Partnerschaften, namentlich mit SBB Cargo in der Schweiz, DB Schenker Rail in Deutschland und mit ECR in Frankreich.» Bereits vor drei Jahren haben sich die vier Güterbahnen B-Cargo, SNCF Fret, CFL und SBB Cargo zur Allianz Sibelit (Société pour l’itinéraire Benelux, Lorraine, Italie SA) zusammengeschlossen, um auf der Achse Antwerpen– Milano die Qualität zu verbessern. So wurden die Trassen in den verschiedenen Ländern harmonisiert, der Personalwechsel reduziert und eine zentrale Steuerung für ein grenzüberschreitendes Tracking & Tracing aufgebaut.

Bewährte Allianz.
«Die Allianz hat sich bewährt. Unsere Erfahrungen mit SBB Cargo sind durchweg sehr positiv», sagt Geert Pauwels. Deshalb sei die Schweizer Güterbahn auch erste Wahl gewesen, als die bestehenden Containerverkehre von der Nordsee nach Norditalien zu Beginn des Jahres ausgeweitet werden sollten. In einem Dreijahresvertrag ist nun vereinbart, dass siebzig Güterzüge pro Woche von der SNCB über Frankreich nach Basel und über Belgien bis nach Aachen geführt werden. «Dort übernehmen wir jeweils die Gesamtverantwortung für sämtliche Transporte und führen diese grenzüberschreitend nach Turin, Mailand und Novara sowie an die neu an unser internationales Nord-Süd-Netzwerk angebundenen Destinationen Piacenza und Tavazzano», sagt Christian Maurer, Key Account Manager bei SBB Cargo.

Risikofaktor Grenzübergang.
Regelmässige, auch unangemeldete Kontrollen helfen, die hohen Qualitätsstandards zu sichern und die Pünktlichkeit einzuhalten. «Neuralgische Punkte sind nach wie vor die Grenzbahnhöfe», sagt Maurer. Wenn die Güterzüge durch vier oder fünf Länder fahren müssen, existieren trotz der weitgehenden Liberalisierung des Schienengüterverkehrs in Europa noch genügend Risiken, wenn beispielsweise an den Grenzen das Personal oder die Lokomotiven gewechselt werden. Auch unterschiedliche gesetzliche Regelungen bremsen oft genug die freie Fahrt auf Europas Gleisen. Die Beachtung der Qualitätstugenden Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Präzision, Umweltbewusstsein und Sicherheit trägt dazu bei, dass die Auftraggeber von IFB nichts von diesen Gefahren merken. Für sie zählt nur eines: Ihre Container müssen pünktlich und wohlbehalten das vorgegebene Ziel erreichen.

«Qualität fällt allerdings nicht vom Himmel», sagt Maurer. Um sie täglich zu erreichen, sind intensive Anstrengungen aller Beteiligten erforderlich. Und wenn doch einmal etwas schiefläuft? Dann, sagt Maurer, werde nichts unter den Teppich gekehrt, sondern die Ursache für ein Problem offen an die Kunden kommuniziert. Auch das sei Teil des Qualitätsversprechens der Schweizer Güterbahn.



3 Fragen
Geert Pauwels, Koordinator der Fracht-Division bei der belgischen Eisenbahn SNCB, setzt auf internationale Partnerschaften.

Stichwort Qualität?
Wir vereinbaren mit unseren Kunden sehr detaillierte Service Level Agreements, an denen wir gemessen werden. Diese Zuverlässigkeit erwarten wir auch von unseren internationalen Partnern.

Sind die Schweizer da ein Vorbild?
Auf jeden Fall, wir haben mit SBB Cargo nur gute Erfahrungen gemacht. Darum haben wir die Partnerschaft jetzt deutlich ausgebaut.

Keinerlei Probleme?
Natürlich kommt es zu Verspätungen. Aber wir sprechen offen darüber und suchen gemeinsam nach Wegen, Fehlerquellen zu beseitigen.



Neue Destinationen in Italien.
Im Rahmen des Dreijahresvertrages mit IFB hat SBB Cargo ihr Netz in Italien weiter ausgebaut. Neu dazugekommen sind die Destinationen Piacenza und Tavazzano südlich von Mailand. Von den neuen Bedienpunkten aus werden die Container auf Lastwagen an ihren endgültigen Bestimmungsort gebracht. «Wir bauen gemeinsam mit grossen Kunden bei Bedarf unser Netz weiter aus», erläutert Marco Terranova, Geschäftsführer von SBB Cargo Italia. Voraussetzung für die Eröffnung einer neuen Destination ist ein bestimmtes Transportvolumen. Seit Anfang 2009 fährt die SBB Cargo-Tochter ChemOil Logistics die drei norditalienischen Raffinerien CavaTigozzi (Cremona), Sannazzaro und Frassine (Mantova) mit durchgehender Traktion direkt aus der Schweiz an. Die Schweizer Güterbahn, sagt Terranova, sei für ihre Flexibilität, ihre Qualität und ihre massgeschneiderten Lösungen europaweit anerkannt.



IFB.
Der Marktführer für den intermodalen Verkehr in Belgien mit einem Jahresumsatz von 110 Millionen Euro betreibt mit 200 Mitarbeitern Niederlassungen im Euroterminal in Genk, im Liège Logistics Intermodal, im Charleroi Logistik Center und in den Häfen von Antwerpen, Zeebrügge und Ostende. Zu den Partnern zählen 240 Lastwagen-Speditionen und mehrere Güterbahnen. Pro Woche werden 154 internationale und 73 nationale Güterzüge auf die Gleise gestellt. Die Transportkapazität liegt bei wöchentlich 165 000 Tonnen. Die Kunden können dabei sowohl direkte Shuttle-Verbindungen wie auch das Cortax-Hub-System und das Narcon-Netzwerk nutzen. Zwischen Belgien und Italien sind wöchentlich 47 Züge in beide Richtungen unterwegs.



klipp & klar  
Ausgangsbahnhof Häfen Zeebrügge/Antwerpen/Ostende, Genk, Rouet, Charleroi, Bierset
Bestimmungsort Piacenza, Tavazzano, Turin, Mailand, Novara
Distanz  über 1000 km
Transportgut Container
Empfänger unterschiedlich

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