Referenzkunde Holcim (Schweiz) AG
«Wir werden wohl mehr auf der Schiene befördern»
Ulrich Walt, blicken Sie für uns in die Zukunft: Wie wird sich Ihr Geschäft in den kommenden Jahren verändern und wie wird sich dies auf den Transport auswirken?
Ich sehe zwei Trends. Einerseits einen industriellen. Wir werden unsere Produktionsstätten wohl konzentrieren. Das dürfte dazu führen, dass wir mehr auf der Schiene befördern, da wir dann Transporte über längere Distanzen brauchen.
Und der zweite Trend?
Der Trend zu Nachhaltigkeit. Wir werden in Zukunft wohl mehr Sekundärrohmaterial verwenden. Diese Materialien müssen meist über weitere Distanzen hertransportiert werden – das wären somit auch bahnaffine Transporte.
Welche äusseren Faktoren werden Ihre Logistik in Zukunft verändern?
Eine wichtige Frage ist, ob und wie sich die Mobilität verteuern wird. Deren Preis wird stark von der Politik gesteuert. Der Personentransport per Bahn ist in der Schweiz eher günstig. Der Gütertransport ist auf der Strasse teuer und auf der Schiene auch nicht gerade günstig. Ich bin davon überzeugt, dass der Transport, und dazu zähle ich auch die Mobilität der Menschen, teurer wird.
Welche Entwicklungen beobachten Sie im Schienenverkehr?
Auf der Schiene sind wir heute eingeengt durch Infrastruktur-Engpässe vor allem in den Ballungsgebieten. Der Personenverkehr verdrängt dank seinem Erfolg den Güterverkehr. Der Lötschberg-Basistunnel beispielsweise wurde ursprünglich für den Güterverkehr gebaut. Heute befahren ihn zu 70 Prozent Personenzüge. Warum? Weil Tagesausflüge aus der Deutschschweiz ins Oberwallis möglich geworden sind und weil man heute vom Wallis nach Bern zum Arbeiten pendeln kann.
Was liesse sich dagegen unternehmen?
Man sollte den durchgehenden Takt infrage stellen. Während der Randzeiten fahren viele Züge fast leer, aber dennoch im Stunden- oder Halbstundentakt herum. Die wichtige Pendlerzeit, wo es ein dichtes Angebot braucht, lässt sich gut eingrenzen. Aber tagsüber und nachts – da muss man darüber nachdenken, ob man das wirklich braucht.
Mit dieser Forderung dürften Sie auf grossen Widerstand stossen. Vermutlich würde die Bahn Kunden an die Strasse verlieren.
Ich glaube nicht, dass die Leute einfach aufs Auto umsteigen, wenn man das Bahnangebot ausdünnt. Ich bin sicher, dass sie umdenken werden. Die Situation ist nicht so eindimensional, da bin ich überzeugt.
Wer ist Ihrer Ansicht nach verantwortlich für diese Situation?
Das Infrastrukturthema ist stark politisch geprägt: Es herrscht ein multipler Verteilkampf zwischen Bund und Kantonen, zwischen Personen- und Güterverkehr, zwischen Ausflüglern und Pendlern. Und das Thema wird in den kommenden Jahren immer brisanter werden.
Welche Wünsche und Anforderungen an SBB Cargo haben Sie in Zukunft?
Wir wünschen natürlich, dass der Wagenladungsverkehr weiterbetrieben wird. Und wir brauchen eine Bedienfrequenz zwei Mal am Tag, morgens und abends. Weiter wünschen wir uns, dass der Freiverlad beibehalten wird. Es braucht dafür ein minimales Netz, gewissermassen eine kritische Masse. Es ist uns bewusst, dass diese Dinge massgeblich durch die Politik bestimmt werden. Der Verband der Verladenden Wirtschaft VAP setzt sich für diese Anliegen ein, aber wir müssen erkennen, dass der Personenverkehr eine stärkere Lobby hat. Bei uns stehen nicht so viele Leute dahinter wie beim Personenverkehr, den täglich Hunderttausende benutzen. Und schliesslich wünschen wir uns natürlich weiterhin eine möglichst gute, offene Kommunikation zwischen den Partnern.
Zur Person
Ulrich Walt ist Leiter Auftragsmanagement, Distribution, Logistik bei der Holcim (Schweiz) AG sowie Vizepräsident des Verbandes VAP (Verlader Anschlussgleise Privatgüterwagen). Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der Holcim Ltd., einer der grössten Zementproduzentinnen der Welt. Sie stellt jährlich in drei Werken 2,5 Millionen Tonnen Zement her und ist damit grösste Produzentin der Schweiz, fördert in rund zwanzig Steinbrüchen und Kiesgruben gut 6 Millionen Tonnen Kies, Sand und Schotter und produziert in etwa vierzig Betonwerken über 1,5 Millionen Kubikmeter Beton. Sie beschäftigt 1300 Personen.
