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Referenzkunde Fenaco

Fortunat Schmid von Fenaco vor Getreidewagen

«Wir brauchen ein klares Bekenntnis zum Wagenladungsverkehr»

Die Fenaco nutzt den Wagenladungsverkehr (WLV) wie kein anderes Unternehmen in der Schweiz. Fortunat Schmid, zuständig für die Logistik, hofft auf ein klares politisches Zeichen zur Beibehaltung dieses Angebots.

Fortunat Schmid, wie viele Verladestellen haben Sie und was transportieren Sie?
Wir transportieren etwa eine halbe Million Tonnen Güter pro Jahr mit der Bahn, hauptsächlich Getreide und Futterrohwaren. Dafür bewirtschaften wir rund 80 Anschlussgleise und nutzen je über 100 Abgangs- und Empfangsorte; daraus ergeben sich 650 verschiedene Relationen. Das heisst, wir nutzen das Wagenladungsverkehrs-Netz so breitflächig wie sonst niemand.

Der WLV ist ja seit Längerem unter Druck. Wie wirkt sich das bei Ihnen aus?
Die Verlade- wie auch die Entladestellen werden zunehmend erneuerungsbedürftig, und dafür sind die Besitzer, bei uns die Landwirtschaftlichen Genossenschaften (Landi) oder wir selber, verantwortlich. Oft ist es jedoch unsicher, ob sich die Investition lohnt. Wenn wir eine Weiche für ein Anschlussgleis ersetzen müssen, kostet das über 100000 Franken, je nach Typ sogar das Mehrfache. Und wenn wir nicht wissen, wie lange der WLV auf diesem Zustellpunkt noch aufrechterhalten wird, ist das immer ein schwieriger Entscheid.

Rechnen Sie denn damit, dass dieser Verkehr stark reduziert oder gar eingestellt wird?
Auf etwa fünf Jahre hinaus wird unser Bahnverkehr voraussichtlich stabil bleiben. Und ich gehe auch nicht davon aus, dass in diesem Zeitraum die Preise deutlich steigen. Doch ich stelle fest, dass der grösste Teil des Geldes für die Bahninfrastruktur in den Transit, vor allem in die Neat, geleitet wird. Die politische Sensibilisierung für den WLV ist sehr tief. Wenn nicht bald ein ganz klares politisches Zeichen zugunsten des Verkehrs in der Fläche und des WLV kommt, bin ich skeptisch, ob dieser auf längere Frist in der heutigen Form aufrechterhalten wird. Anderseits ist es durchaus vernünftig, sich zu fragen, ob es sinnvoll sei, eine Verladestelle für 5000 Tonnen im Jahr längerfristig zu betreiben.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit SBB Cargo?
In der Schweiz ist SBB Cargo mit Abstand unser wichtigster Partner für den Bahntransport, und das wird – vorausgesetzt, die Leistung stimmt – so bleiben. Für unsere Transporte genügen die Trassenkapazitäten zurzeit. Mittelfristig rechne ich allerdings damit, dass die zunehmende Belastung des Netzes durch den Personenverkehr zu Problemen führen wird. Wenn wir aus diesem Grund die Termine nicht mehr einhalten können beziehungsweise die Ankunftszeiten nicht mehr planbar sind, steigen die Kunden auf die Strasse um.

Was wünschen oder erwarten Sie von SBB Cargo?
Das geht aus dem Gesagten hervor: Wir brauchen klare Bekenntnisse zum WLV an möglichst vielen lohnenden Verladestellen in der Schweiz. Weiter muss das Angebot preislich attraktiv bleiben. Und schliesslich brauchen wir praktikable Lösungen und attraktive Preise bei Xrail für den europäischen Verkehr.

Welche Entwicklungen sehen Sie für die weitere Zukunft?
Auf längere Frist rechne ich mit einer höheren Volatilität der Warenmärkte. Dieses Szenario wirkt sich für die Bahnen wohl eher ungünstig aus: Schwankende Warenströme sind mit der Bahn schwer zu bewältigen. Mit Lastwagen ist man schon viel flexibler.

Also: Nachteil Schienentransport.

Es sind auch andere Szenarien denkbar. Ich bin überzeugt, dass Energie teurer wird – und das ist gut so. Das wird längerfristig den Transport verteuern, vor allem auf der Strasse. Wenn es zu teuer ist, Getreide aus Osteuropa oder aus Übersee in die Schweiz zu transportieren, ist die Schweizer Landwirtschaft wieder im Vorteil. Ich hoffe einfach, dass dann in der Schweiz die dafür nötige Infrastruktur noch vorhanden ist.

Zur Person

Fortunat Schmid ist Geschäftsleiter Qualitätsmanagement, Logistik und Projekte in der Geschäftsbereichsgruppe Getreide, Ölsaaten und Futtermittel der Fenaco. Die Fenaco ist ein genossenschaftlich organisiertes Unternehmen der Schweizer Bauern. Sie versorgt die Landwirte mit Produktionsmitteln und übernimmt, verarbeitet und vermarktet deren Erzeugnisse. Ihr gehören viele Tochtergesellschaften, darunter die Detailhandelsketten Volg und Landi sowie der Brenn- und Treibstoffhändler Agrola oder auch Marken wie Ramseier-Säfte und Elmer Citro. Sie beschäftigt 8300 Personen und erwirtschaftete 2009 einen Umsatz von 5,4 Milliarden Franken.

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