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Der umweltfreundliche «Butler»

Bau Rangierlokomotive mit Hybridantrieb

Stadler Winterthur baut derzeit die erste Rangierlokomotive mit Hybridantrieb. Die dreissig Exemplare, die SBB Cargo bestellt hat, werden künftig im leichten Rangier- und Zustelldienst eingesetzt – wodurch über 4000 Tonnen CO2 im Jahr eingespart werden können.

Es riecht nach Metall und tönt nach Werkplatz. Auf einem der Geleise in der weitläufigen Produktionshalle der Stadler Winterthur AG steht ein neun Meter langes, zweiachsiges Fahrwerk mit mehreren Aufbauten. Mit dem grossen Hallenkran wird zentimeterweise eine blaurot gespreizte Kabine abgesenkt, mehrere Arbeiter sorgen dafür, dass sie millimetergenau richtig platziert wird. Die Produktion ist sehr weit fortgeschritten, gut einen Monat später schon wird die fertige Rangierlok zu Testfahrten auf dem Schweizer Schienennetz unterwegs sein: die neue Hybridlok des Typs Eem 923 für SBB Cargo. Als Erstes muss sie eine Typenprüfung absolvieren, dies ist ein aufwendiges Verfahren nach dem Pflichtenheft des Bundesamtes für Verkehr. So gibt es unter anderem elektromagnetische Tests: Die mit viel Bordelektronik ausgestattete Eem 923 darf keine Störströme entwickeln, die andere Fahrzeuge oder die Signalanlagen beeinträchtigen könnten.

Hersteller Stadler hat seiner Kompaktlok den Namen «Butler» gegeben. Er steht für individuelle Betreuung des Kunden: «Die Eem 923 ist eine Neuentwicklung», sagt Jürg Hofmann, der als Projektmanager bei Stadler den Auftrag für die insgesamt dreissig Rangierloks betreut. Es geht dabei um ein Volumen von 88 Millionen Franken.

Bei SBB Cargo spricht Gesamtprojektleiter Michel Henzi von einer «Pionierleistung im europäischen Güterverkehr». Die Eem 923 ist nämlich die erste Rangierlok mit einem Hybridantrieb; sie verfügt über einen Elektromotor und einen ergänzenden Dieselhilfsantrieb. Dieser Dieselmotor wird vor allem für nicht elektrifizierte Anschlussgeleise gebraucht, ist also ideal geeignet für die Bedürfnisse im Wagenladungsverkehr. Heute muss für den fahrdrahtlosen letzten Streckenabschnitt entweder die Lok gewechselt werden oder auf der gesamten Strecke fährt eine Diesellok – auch wenn ein Grossteil der Strecke elektrifiziert ist. Das ist weder ökonomisch noch ökologisch. Denn abgesehen davon, dass Dieselloks weniger energieeffizient sind als Elektroloks, haben sie auch eine kürzere Lebensdauer als diese und sind teurer im Unterhalt. Im Vergleich zu konventionellen Dieselloks verursacht die neue Hybridlok auch weniger Lärm und deutlich weniger CO2. «Wir gehen davon aus, dass die Eem 923 zu etwa 90 Prozent mit Strom fahren wird. Dies reduziert – auf dreissig Loks hochgerechnet – unseren CO2-Ausstoss jährlich um rund 4300 Tonnen», sagt Henzi.

Mit dem Joystick aus der Ferne steuerbar.
Zudem wird der leichte Zustelldienst im Wagenladungsverkehr flexibler: Die neue Hybridlok eignet sich sowohl für den Rangier- als auch für den Streckenbetrieb und kann dank einer Maximalgeschwindigkeit von 100 Kilometer pro Stunde auf den stark ausgelasteten Strecken gut eingesetzt werden. Zudem lässt sich die Eem 923 per Joystick von ausserhalb der Kabine fernsteuern, was die Rangierarbeit noch effizienter macht.

Die dreissig neuen Rangierloks – SBB Cargo hat eine Option für weitere Fahrzeuge – werden veraltete vierachsige Loks des Typs Bm 4/4 und diverse Dreiachser ersetzen, die wirtschaftlich und leistungsmässig nicht mehr den heutigen Anforderungen genügen. Stadler-Projektmanager Hofmann verweist beim Betriebsrundgang auf die Leistungskraft der Kompaktlok: «Dank ihrer grossen installierten Leistung von 1500 Kilowatt, also mehr als 2000 PS, überwindet sie Steigungen rascher als eine vierachsige Diesellok.» Dies bringt mehr Flexibilität und ist ein Trumpf im Konkurrenzkampf mit dem Strassentransport.

Vom Asset-Management eng begleitet.

Den Auftrag für die dreissig neuen Hybridloks Eem 923 wickelte das Asset-Management von SBB Cargo ab. Vier Hersteller hatten offeriert, wobei Stadler Winterthur AG die Ausschreibung vor allem wegen des Hybridkonzepts mit den niedrigsten Betriebs- und Wartungskosten sowie der guten Ökobilanz gewann.

Dazu kommt die «Swissness»: Die Loks werden in der Schweiz gefertigt und ein Grossteil der Komponenten wird von einheimischen Unternehmen geliefert. «SBB Cargo ist ein im positiven Sinn anspruchsvoller Kunde, der sich sehr gut vorbereitet hat und genau weiss, was er will», sagt Jürg Hofmann, zuständiger Projektmanager bei Stadler.

Das Asset-Management ist projektübergreifend tätig: Die Zusammenarbeit mit Stadler ist eng, Test- und Abnahmefahrten werden durch Ausbildungslokführer von SBB Cargo durchgeführt. So fliessen die Wünsche und Bedürfnisse des Kunden mit ein.

KLIPP & KLAR 
TYPENBEZEICHNUNG

Rangierlok Eem 923 Hybrid

ANZAHL MOTOREN

2 (Elektromotor und Dieselhilfsmotor)

MAX. LEISTUNG AM RAD

1500 kW

ANFAHRZUGKRAFT

ca. 150 kN

HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT100 km/h
ANZAHL FAHRZEUGE30
KOSTEN

88 Mio. CHF

INBETRIEBSETZUNG

2012 / 2013

  

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