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Wagen um Wagen in Europa Terrain zurückgewinnen

Belad eines Güterwagens mit Stahlrollen (Coils)

Zusammen mit sechs anderen europäischen Bahngesellschaften hat SBB Cargo vor einem Jahr die Allianz Xrail gegründet. Gemeinsam wollen die Partner den internationalen Wagenladungsverkehr wieder in Fahrt bringen. Kunden erkennen bereits erste Verbesserungen.

«Die Verleihung des Swiss Logistics Award an Xrail war ein Highlight und zeigt, dass wir mit diesem Kooperationsmodell die Weichen richtig gestellt haben», sagt Sassan Rabet, Vertreter von SBB Cargo und stellvertretender CEO von Xrail in Brüssel (siehe Kasten). Durch die Allianz soll der grenzüberschreitende Wagenladungsverkehr (WLV) schneller, pünktlicher, transparenter und einfacher werden, Letzteres dank geringerem administrativem Aufwand. In all diesen Punkten besteht tatsächlich Handlungsbedarf. Nicht nur gegenüber dem Strassentransport, sondern auch im Vergleich zum Verkehr mit Ganzzügen hat der internationale WLV mit seinen privaten Anschlussgleisen in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Gründe dafür gibt es verschiedene: in erster Linie komplizierte administrative Abläufe zwischen den verschiedenen Bahngesellschaften sowie langsame und unpünktliche Transporte. Das soll jetzt anders werden. «Unser Ziel ist eine Pünktlichkeit von mindestens 90 Prozent», verspricht Chantal Schilter, Service-Managerin bei Xrail. Verbesserungen soll es auch bei den Offertzeiten geben. Früher dauerte es von der Anfrage bis zum konkreten Angebot oft mehrere Wochen. Mit Xrail soll diese Frist auf drei Tage schrumpfen.

Weniger administrative Umtriebe
Offensichtlich zeigen sich bereits die ersten Erfolge: «Dank Xrail haben wir punkto Administration eine klare Vereinfachung festgestellt», erklärt Bertrand Carrupt, Manager Business Services von Novelis, dem weltweit grössten Hersteller von Aluminiumwalzerzeugnissen. Zu dieser Gruppe gehört nach mehreren Fusionen auch die frühere Alusuisse. Vom und zum Werk in Sierre, Kanton Wallis, werden Aluprodukte quer durch Europa geschickt. «Unsere wichtigsten Kunden in Europa sind fast alle per Bahn erreichbar, und die Transportsicherheit wird für uns ein immer bedeutenderer Erfolgsfaktor», betont Carrupt. «Nach und nach soll dank Xrail ein europäischer Transportfahrplan von Anschlussgleis zu Anschlussgleis entstehen», erklärt Chantal Schilter. Zusätzlich hat der Auftraggeber via Internet jederzeit Zugriff auf die Statusinformationen zu seinen Transporten. Bei Verspätungen wird der Kunde informiert und ihm wird die neu berechnete Ankunftszeit mitgeteilt. Ein weiteres Unternehmen, das konsequent auf den Schienenverkehr und SBB Cargo setzt, ist Migros, die grösste Kundin von SBB Cargo. Per Bahn befördert der Schweizer Grossverteiler zum Beispiel Bananen von den deutschen Häfen, Zerealien aus Holland sowie Campingartikel und Getränke aus Österreich in die Schweiz. Markus Helg, Leiter Internationale Transporte bei Migros, freut sich über die verbesserte Zusammenarbeit der europäischen Bahnen und sieht erste positive Ergebnisse: «Das Online-Track&Trace hat in Bezug auf den Überwachungsstatus Transparenz geschaffen und die Verpflichtung von Xrail zu einer 90-Prozent-Ankunftstermingarantie hilft uns bei der Planung», stellt er fest. Im Verkehr mit Deutschland erhofft er sich im Vergleich mit dem Verkehrsträger Strasse konkurrenzfähigere Konditionen. Von grosser Bedeutung wäre für Migros eine Ausdehnung des Xrail-Netzes nach Italien und Frankreich, um weitere Produkte, die für den Transport auf der Schiene besonders geeignet sind (wie etwa Mineralwasser), von der Strasse auf die Schiene verlagern zu können. Sassan Rabet richtet den Fokus vorerst allerdings ganz auf den Aufbau des Netzes in den Ländern, welche die Allianz bedient: «Während die Xrail-Partner voll auf die Zukunft des internationalen Wagenladungsverkehrs setzen, ist anderenorts zum Teil ein gegenteiliger Trend festzustellen», konstatiert er. Trotzdem will er die Hoffnung nicht aufgeben, dass Xrail in Zukunft ihr Netz erweitern kann.

SBB Cargo ist in Brüssel gut vertreten
Auf Initiative des internationalen Eisenbahnverbands UIC ist Xrail im Februar 2010 in Zürich gegründet worden. Ihren Sitz hat die Allianz in Brüssel. Nebst SBB Cargo gehören zu den sieben Gründungspartnern DB Schenker Rail (Deutschland, mit Transporten auch in Dänemark und den Niederlanden), Rail Cargo Austria (Österreich, auch Ungarn), CD Cargo (Tschechische Republik), Green Cargo (Schweden, auch Norwegen), SNCB Logistics (Belgien) sowie CFL Cargo (Luxemburg). Jedes Unternehmen schickt einen Vertreter in das Leitungsgremium. SBB Cargo wird durch Sassan Rabet vertreten, der als stellvertretender CEO von Xrail fungiert.

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