Referenzkunde Nespresso
Nespresso mit SBB Cargo transportiert – what else
Nespresso, der portionierte Kaffee in den bunten Kapseln, ist beliebt. So beliebt, dass Hersteller Nestlé zusätzlich zum bestehenden Produktionszentrum ein neues bauen liess. Nach allen Regeln der Nachhaltigkeit notabene.
Von ihm lässt man sich gern verführen, und wenns nur zu einer Tasse Kaffee ist: Kein Zweifel, Nespresso hat mit dem Filmstar George Clooney als Werbeträger auf den Richtigen gesetzt – wie die jährlichen Umsatzsteigerungen um bis zu 40 Prozent verdeutlichen. Der Absatz hat in jüngster Zeit alle Erwartungen übertroffen. Heute kann das 2001 in Orbe (Kanton Waadt) erbaute Nespresso-Produktionszentrum, das jährlich drei Milliarden Kapseln ausstösst, die Nachfrage nicht mehr decken. Da Nespresso davon ausging, dass sie im Jahr 2010 sechs Milliarden Kapseln in alle Welt verschicken wird, musste die Produktionskapazität verdoppelt werden. In Orbe ist der Platz knapp. Ein Neubau drängte sich auf.
Weiterhin «made in Switzerland»
«Wir haben in ganz Europa nach einem geeigneten Produktionsstandort gesucht», erzählt Enrico Induni, Chefingenieur bei Nespresso. «Am Ende haben wir uns für die Schweiz entschieden, weil wir hier unmittelbar auf unser Know-how und auf hoch qualifizierte Arbeitskräfte zurückgreifen können. Auch die Baupreise sind konkurrenzfähig.» Die Wahl ist wiederum auf die Waadt gefallen: auf Avenches, nur 50 Kilometer von Orbe entfernt.
Ursprünglich als reiner Produktionsstandort geplant, wurde die Fabrik in der Projektierungsphase um ein Verteilzentrum ergänzt. Dieser Entscheid hatte logistische Konsequenzen. «Die gesamte Produktion des Standortes Orbe muss mit der Bahn ins neue Verteilzentrum von Avenches gebracht werden», erklärt Induni. Dass die Transporte auf der Schiene erfolgen würden, war klar, denn sie hatten umweltfreundlich zu sein und für die Anwohner die geringstmögliche Belastung zu verursachen.
Die öffentliche Ausschreibung für den Bahntransport zwischen Orbe und Avenches – täglich neun Pendelwagen – hat SBB Cargo für sich entschieden. Sie ging am flexibelsten auf die Transportanforderungen von Nespresso ein. «Täglich» bedeutet in diesem Fall nicht jeden Werktag, sondern wirklich sieben Tage die Woche: Bei Nespresso laufen alle Maschinen rund um die Uhr.
Schiene als Teil der Strategie
Die Erschliessung des Fabrikgeländesmit einem Anschlussgleis war nicht nur hinsichtlich des Werkverkehrs ein Muss. Ein grosser Teil der grünen Kaffeebohnen, die per Schiff nach Antwerpen geliefert und dort zwischengelagert werden, kommt ebenfalls auf der Schiene in die Schweiz. Nespresso scheute deshalb weder den technischen noch den finanziellen Aufwand, um eine leistungsfähige Anschlussgleisanlage realisieren zu können. Die Investition hat langfristigen Charakter. «Heute können Güter noch problemlos auf der Strasse transportiert werden, aber wir wissen nicht, ob dies in 25 Jahren noch im selben Umfang möglich sein wird», sagt Induni.
Nachhaltigkeit am Bau
Der schonende Umgang mit Umwelt und Ressourcen zog sich durch alle Bereiche des Bauprojekts. «Wir haben von Anfang an mit den Umweltverbänden zusammengearbeitet und sind auf deren Forderungen eingetreten», sagt Induni. Nespresso erwirkte unter anderem eine Bushaltestelle vor der Fabrik, sodass die Mitarbeitenden mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen können. Auf den Dächern wird das Regenwasser gesammelt und im Sommer zur Gebäudekühlung eingesetzt. Die beim Röstprozess anfallende Abwärme wird ins Fernheiznetz der Gemeinde Avenches eingespeist. Abfälle werden zu 95 Prozent rezykliert, und der Energieverbrauch unterliegt der Kontrolle der Umweltgruppe des Mutterhauses Nestlé. «Wir haben für die Bauarbeiten Unternehmen aus der Region berücksichtigt. Auch kurze Anfahrtswege sind nachhaltig. Wir sind zwar businessorientiert, stellen den Gewinn aber nicht über alles», betont Enrico Induni.
Hohe Recyclingquote
Und die in Aluminiumkapseln verpackten, einzelnen Kaffeeportionen, sind sie vertretbar? «Ja», antwortet Enrico Induni ohne Zögern. Nichts schütze den Kaffee besser vor Licht und Luft und garantiere dadurch eine gleich bleibend hohe Qualität. Ausserdem lasse sich Aluminium besser rezyklieren als andere Kapselmaterialien. In der Schweiz funktioniert die Sammlung der gebrauchten Kapseln gut: Über 60 Prozent werden zu den Sammelstellen zurückgebracht. Lokale Recyclingfirmen trennen Kaffeesatz und Aluminium, kompostieren Ersteren und führen Letzteres einem Aufbereitungswerk zu. «Wir unternehmen mit dem Aufbau von Recyclingnetzen grosse Anstrengungen, setzen aber auch auf den verantwortungsbewussten Konsumenten», sagt Induni. «Die Schweizer sind diesbezüglich vorbildlich. Unser Ziel ist, dass 85 bis 90 Prozent der Kapseln zurückgebracht werden.»
Zur Nespresso-Philosophie gehöre, dass die Umweltbelastung des Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus geprüft werde. Bereits der Anbau das Kaffees müsse einer Nachhaltigkeitsprüfung standhalten. Nespresso hat deshalb das «AAA Sustainable Quality Program» ins Leben gerufen. Basierend auf den Prinzipien von nachhaltiger Entwicklung, ökonomischer Rentabilität, Umweltverantwortung und sozialer Gerechtigkeit, soll das Programm die langfristige Verfügbarkeit von hochwertigem grünem Kaffee garantieren. Damit George Clooney weiterhin guten Gewissens verkünden kann: «Nespresso. What else?»
Marktführer Nespresso
Nestlé Nespresso SA ist das am schnellsten wachsende Unternehmen der Nestlé-Gruppe. 1986 hat es in der Schweiz und in Italien den portionierten Spitzenkaffee eingeführt. In den letzten acht Jahren verzeichnete Nestlé Nespresso Wachstumsraten zwischen 35 und40 Prozent. 2008 realisierte sie einen Umsatz von über 2 Milliarden Franken. Weltweit betreibt Nespresso 170 Boutiquen, in denen die Kunden einkaufen und Kaffee trinken können. Nestlé Nespresso hat ihren Firmensitz in Paudex (Schweiz) und beschäftigt mehr als 2500 Mitarbeiter auf der ganzen Welt. Das Werk Avenches kostet 150 Millionen Franken. Ende 2009 wird dort auf zwölf Linien Kaffee geröstet, gemischt, gemahlen und abgefüllt. Die Anzahl der Mitarbeitenden wird von heute rund 200 auf 450 gestiegen sein.
| KLIPP & KLAR | |||
|---|---|---|---|
| AUSGANGSBAHNHOF | Orbe | ||
| BESTIMMUNGSORT | Avenches | ||
| DISTANZ | 50 km | ||
| TRANSPORTGUT | Kaffee, Espressomaschinen | ||
| WAGEN | Ha | ||
| EMPFÄNGER | Nespresso-Produktionszentrum | ||
