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Referenzkunde Swiss Steel

Wo aus 600 000 Tonnen Schrott Stahl entsteht

Swiss Steel in Emmenbrücke

In Emmenbrücke werden jährlich 600 000 Tonnen Schrott eingeschmolzen. Damit aus dem anfallenden Schrott zur richtigen Zeit die richtige Stahlsorte wird, braucht es eine ausgeklügelte Logistik.

Reportage

Herren der Materialschlacht

In der herbstlichen Luft mischt sich Eisengeruch mit den Gerüchen der Emme; der Mond beleuchtet durch dünnen Nebel eine Dampfsäule. Die Stimmung lässt fast Nostalgie aufkommen – man sieht nicht mehr viel Schwerindustrie in unseren Gegenden.

Manche Wirtschaftstheoretiker sprechen vom «postindustriellen» Zeitalter. Das ist Unsinn; der weltweite Bedarf an Rohstoffen wie Stahl steigt unbeirrt. Aber die Industrie verschwindet mehr und mehr aus Europa. Hier im Zentrum der Schweiz gibt es sie noch.

Mehrere Firmen im Stahlbereich haben in Emmenbrücke bei Luzern ihren Standort. Swiss Steel (ehemals von Moos) verarbeitet jährlich 600000 Tonnen Schrott zu 550000 Tonnen Stahl, womit Emmenbrücke hinter dem Stahlwerk Gerlafingen der zweitgrösste Recycling-Standort der Schweiz ist.

Für die richtige Mischung
In einer grossen Halle sitzen zwei Kranführer in ihren Kabinen und heben Schrott in einen Spezialbahnwagen. Der Bildschirm in der Kabine zeigt dem Kranführer, wie viel von welcher Schrottsorte er in den Korb geben muss, damit die richtige Mischung für den gewünschten Stahl entsteht. Später fährt eine Rangierlok mit zehn Wagen voller Schrott in die Halle ein: Geschreddertes, gepresste Reste von Autoblechen, zerschnittene Schienen.

Zweimal täglich liefert SBB Cargo 20 bis 25 Bahnwagen – oder rund 1800 Tonnen – Schrott an. Hier übernimmt das Logistikunternehmen Panlog, eine Schwesterfirma von Swiss Steel. Der erste Zug kommt um 9.30 Uhr in der Früh, der letzte um 20.30 Uhr abends. Den Güterbahnhof führt Panlog im Auftrag von SBB Cargo. So sind sich die beiden Firmen gegenseitig Kunde und Auftragnehmer. Die SBB sind auch Lieferanten des Stahlwerks: Hier werden ihre ausgemusterten Schienen und Radsätze eingeschmolzen.

Rohstoff fällt an
Ein Stahlwerk arbeitet rund um die Uhr: Die Öfen am Abend aus- und am nächsten Morgen wieder einzuschalten, wäre wenig sinnvoll. Eine ausgeklügelte Logistik ist wichtig, damit die Lager nicht übergross werden. «Unser Rohmaterial wird nicht produziert», sagt Panlog-Chef Moreno Krattiger, «es fällt an.» Dieser Anfall lässt sich nicht planen. Rund siebzig Schrotthändler gehören zu den Lieferanten.

Der Schrott aus dem In- und dem benachbarten Ausland wird zu 70 Prozent auf der Schiene angeliefert, zu 30 Prozent mit Lastwagen. «Schrott», sagt Krattiger, «ist sehr bahnaffin: Er ist ein Massengut und nicht wetterabhängig. Aber die Strasse holt auf, denn Lastwagen sind flexibler. Der Kostenvorteil der Bahn ist nur noch gering.» Zudem könne es Engpässe im Rollmaterial geben: «Die Zuckerrübenernte beispielsweise beeinträchtigt die Wagenverfügbarkeit.» Allerdings reagiere SBB Cargo gut auf die Engpässe.

170 verschiedene Stähle
Die Auslieferung von Stahl ab Emmenbrücke geschieht zu 54 Prozent mit der Bahn. Die meisten Kunden, sagt Krattiger, verfügten über keinen Gleisanschluss. Umso wichtiger sind deshalb die SBB Cargo-Plattformen in Norditalien.

Gegen 170 verschiedene Stahlqualitäten stellt Swiss Steel her. Der im Elektro-Lichtbogenofen eingeschmolzene Schrott verlässt den Prozess als Knüppel, die anschliessend im Walzwerk zu Stäben und Draht in Ringen weiter verarbeitet werden: das Endprodukt von Swiss Steel. Kunden sind die Schwesterfirma Steeltec auf demselben Areal – ein Hersteller von hochfestem Sonderstahl –, und Abnehmer in Italien, Deutschland und Frankreich. Rund 60 Prozent der Produktion gelangt in die Autoindustrie, etwas weniger in den Handel, etwa 10 Prozent ins Baugewerbe und 6 Prozent in den Maschinenbau.

Swiss Steel und Panlog

Seit 1842 ist die Stahlindustrie in Emmenbrücke beheimatet. 1996 fusionieren von Moos in Emmenbrücke und der Stahlbereich der Von Roll in Gerlafingen zu Swiss Steel, die 2003 von der deutschen Schmolz+Bickenbach AG übernommen wird. 2006 wird das Werk Gerlafingen an die italienische Beltrame-Gruppe verkauft. Swiss Steel konzentriert sich auf die Herstellung von Qualitäts-, Edel- und Automatenstahl und gehört auf dem europäischen Langstahlbereich zu den führenden Anbietern. 2006 setzten 439 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 427 Millionen Franken (260 Millionen Euro) um.

Das Logistikunternehmen Panlog gehört ebenfalls zur Schmolz+Bickenbach-Gruppe. Es arbeitet hauptsächlich für seine Schwesterfirmen Swiss Steel und Steeltec sowie für Stahl Gerlafingen. Panlog erzielte 2006 mit 56 Mitarbeitern einen Umsatz von 86 Millionen Franken (52 Millionen Euro).

Die dritte Schmolz+Bickenbach-Tochter auf dem Areal in Emmenbrücke, Steeltec, verarbeitet verschiedene Stähle von Swiss Steel zu blanken Stäben, speziell auch zu hochfesten Sonderstählen.

Die Entsorger

Zu den Rohstofflieferanten von Swiss Steel zählen rund fünfzig Schrotthändler. Der grösste ist Die Entsorger, ein Zusammenschluss der vier Altstoffspezialisten Hügler AG (Dübendorf), Schnyder AG (Emmen), Griesser AG (Dällikon) und Dataex AG, Dällikon. Die Entsorger handeln mit fast allem, was sich wieder verwerten lässt, und bietet für Gewerbebetriebe vollständige Entsorgungskonzepte an.

KLIPP & KLAR 
BAHNHOFSKNOTENEmmenbrücke
BESTIMMUNGSORTAn- und Auslieferung in der Schweiz und in Italien
FIRMASwiss Steel
TRANSPORTGUTSchrott und Stahl
EMPFÄNGERProduzenten der Stahlindustrie
  

Porträt

Wenn aus Schrott Stahl wird

Die Swiss Steel in Emmenbrücke produziert bis zu 170 verschiedene Stahlqualitäten. Jährlich schmelzen und verarbeiten die Arbeiter dafür 600 000 Tonnen Schrott. 60 Prozent davon werden umweltfreundlich per Bahn angeliefert. Die Panlog AG wickelt im Auftrag von Swiss Steel die Transporte ab.

Swiss Steel ist das Kompetenzzentrum für die Herstellung von hochwertigen Stählen für die Automobil-, Maschinen- und Apparateindustrie. Durch die Vernetzung mit der ganzen Wertschöpfungskette kann sie die Produktion genau auf die Anforderungen der Verarbeiter und der Endfertiger abstimmen und trägt so zu deren Markterfolg bei.

Ein modernes und traditionsreiches Unternehmen
Der Erfolg von Swiss Steel gründet auf den beiden wichtigen Eckpfeilern qualifizierte Mitarbeiter und moderne Anlagen. Durch enge Zusammenarbeit mit den Kunden schöpfen sie Innovationspotentiale aus.

Gleichzeitig blicken sie auf eine mehr als 150-Jährige Tradition als Stahlhersteller mit einer entsprechend breiten Erfahrung zurück. In den letzten Jahrzehnten haben sie neben der Herstellung von Bau- und Betonstahl den Bereich Qualitäts-, Edel- und Automatenstahl (QEA) kontinuierlich ausgebaut. Seit dem Zusammenschluss der von Moos Gruppe mit den schweizerischen Stahlaktivitäten der Von Roll zur Swiss Steel im Jahr 1996 konzentrieren sie sich ganz auf die Herstellung der hochwertigen QEA-Stähle.

Einige Schlüsseldaten der Firmengeschichte:

1973Aufbau der von Moos Gruppe mit 35 Gruppengesellschaften
1988Gründung der von Moos Holding AG und Ausgabe börsenkotierter Papiere
1988Erstmalige Qualitätszertifizierung nach ISO 9001
1996Zusammenschluss mit Von Roll Stahl und komplette Reorganisation. Gründung der Swiss Steel AG
2003SCHMOLZ + BICKENBACH AG übernimmt die Aktienmehrheit der Swiss Steel AG
2006Namensänderung der Swiss Steel AG zu SCHMOLZ + BICKENBACH AG
2007Namensänderung der von Moos Stahl AG zu Swiss Steel AG
  

Standort und Märkte
Die Swiss Steel befindet sich in Emmenbrücke bei Luzern in der Schweiz. Zum Kundenkreis zählen Unternehmen der Automobil-, Maschinen- und Apparateindustrie.

Die Hauptabsatzmärkte sind Deutschland, Frankreich und Italien. Eine Tochtergesellschaft für den Vertrieb der Produkte in den französischen Ardennen, die Ardenacier S.A.R.L., hat ihren Sitz in Charleville-Mézières.

Hauptabnehmer in der Schweiz ist die Schwesterfirma Steeltec AG, die den gewalzten Stahl in ihren Ziehereien zu Blankstahl weiterverarbeitet.

Swiss Steel beliefert folgende Kundengruppen:

  • Ziehereien
  • Kaltstaucher/ Kaltfliesspresser
  • Schmieden Kettenhersteller
  • Bau-/ Bergbau

Für die Transportabwicklung ist das Logistikunternehmen Panlog verantwortlich. Dieses gehört zur Schmolz+Bickenbach-Gruppe. Es arbeitet hauptsächlich für Swiss Steel und Steeltec.

Vom Schrott zum hochwertigen Stahl
Die Stahlproduktion bei Swiss Steel ist der Beginn eines wertvollen Recyclingprozesses - und damit auch unter ökologischen Aspekten ein wesentlicher Faktor der Schweizerischen Wirtschaft und Gesellschaft.

Qualitativ guter Eisenschrott wird im 80 Tonnen-Elektrolichtbogenofen eingeschmolzen. Im Pfannenofen laufen danach die sekundärmetallurgischen Prozesse ab:

  • Legieren und Mikrolegieren der Schmelze
  • Temperatureinstellung

Bei qualitativ besonders anspruchsvollen Stahlgütern erfolgt nach der Behandlung im Pfannenofen eine zweite sekundärmetallurgische Behandlung in der Vakuumanlage. Bei dieser Behandlung werden unter anderem die Wasserstoff- und Stickstoffgehalte des Stahls durch kräftiges Spülen unter Vakuum reduziert.

Im nächsten Schritt werden mit der Stranggussanlage 11m lange Stahlknüppel von 150 mm Kantenlänge produziert. Sie bilden das Vormaterial, aus dem im Walzwerk der Walzstahl in Stab- oder Drahtform gefertigt wird.

Der gesamte Fertigungsprozess unterliegt einer effektiven Qualitätssicherung - einerseits durch technologisch modernste Prozesse und anderseits durch laufende Prüfungen.

Rücksicht auf die Umwelt als bestimmendes Kriterium der Prozesse
Als bedeutendes Industrieunternehmen ist sich Swiss Steel ihrer Verantwortung gegenüber der Umwelt und der Gesellschaft bewusst und nimmt diese auch wahr. Über eine Vielzahl von Massnahmen ist sichergestellt, dass die zur Verfügung stehenden Ressourcen effizient eingesetzt, Emissionen minimiert, die gesetzlichen Forderungen bezüglich Umweltschutz eingehalten und Informationen für interessierte Kreise, wie zum Beispiel das Amt für Umweltschutz oder die Öffentlichkeit, zur Verfügung gestellt werden. Die Investition in eine neue Filteranlage im Jahre 1999 steht stellvertretend für die ergriffenen Massnahmen.

Swiss Steel ist nach der internationalen Norm ISO 14001 zertifiziert. Es ist der Ausweis für ein ganzheitliches Denken im Sinne von Ökologie und Ökonomie.

Swiss Steel AG
Emmenweidstrasse 90
6020 Emmenbrücke, Schweiz
Telefon +41 (0)41 209 51 51
Fax +41 (0)41 209 52 55
www.swiss-steel.com

Videointerview

Swiss Steel: Videointerview mit Moreno Krattiger, Geschäftsführer Panlog AG.
Dialekt / 6 min.

Diashow

Mit seinem Magnetkran stellt der Kranführer die richtige Mischung Schrott für die gewünschte Stahlqualität zusammen. Der so genannte Korb mit integrierter Waage fährt den Schrott sodann in den Hochofen. (Fotograf: Gian Vaitl) als Ecard versenden

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